Giselheid Schulz-Ëberlin, Autorin, Eigen-Sinn-Coach, Lebensbegleitung, Berlin, Septembertage

Berlin. Septembertage.

In der S-Bahn: Ein Querflötenspieler steigt ein. Lächelnde Erinnerungen werden wach. Vor mehr als 30 Jahren spielte ich für meine Freundin Flöte in der Straßenbahn.

Ankommen im Berliner Lieblingshotel, dem Literaturhotel in Friedenau. Ich bekomme den Schlüssel zu Zimmer Nummer 5. Ein Zimmer, das ich noch nicht kenne in diesem kleinen familiären Haus. Hier hat jedes der 15 Zimmer sein eigenes unverwechselbares Gesicht. Zimmer 5 ist klein – und wie für mich gemacht. Ich liebe es sofort! Allesamt antike Möbel: Bett, Schrank, Tischchen und ein Damenschreibsekretär. Behutsam klappe ich ihn auf. Ich gebe meinen Sachen ihren Platz. Ich gehe eine Runde ums Haus, sammle Blätter und Kastanien für mein Bild für diesen Tag. Meinen kleinen Reisebilderrahmen hatte ich vergessen zu Haus. Vorsichtig nehme ich einen kleinen goldgerahmten Spiegel von der Zimmerwand und lege darauf: Notizzettel, Brille, Füllfederhalter, Portemonnaie, Lindenfruchtstände, Kastanien mit und ohne Stachelschale, ein buntes Blatt und ein Zweig zarte gelbe Blätter. Ich suche dem Rahmen einen passenden Platz auf dem gemusterten Orientteppich. In diesem Haus liegen wie im Wohnzimmer meiner Kinderzeit, Teppiche sowohl in den Zimmern als auch im Salon.
Herbstsonne lockt mich in den Garten. Frau Moog, die Inhaberin und herzliche Gastgeberin, bringt eine Tischdecke, die Praktikantin frisch gebrühten Kaffee.
Am nächsten Morgen: Frühstück im Biedermeiersalon. Goldrandgeschirr. Goldiger Service. Alles da, von Avocado, Blätterteigteilchen bis Ziegenfrischkäse. Ein „Good Morning“- Mann nimmt Platz. Am Tisch gegenüber eine alte Dame, die ihren Mann mit „Papa“ anspricht. Ein gestreifter Pullover greift zur Zeitung. Eine schwarz-weiß gepunktete Dame kommt mit Hund. Und nebendran ein Paar a la Loriot: Sie: „Du siehst so deprimiert aus heute!?!“ Er: „Ich bin nicht deprimiert.“ …

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