C wie Contenance

Fassung, Haltung, Selbstbeherrschung.

Sich nicht aufregen lassen, Haltung bewahren, gefaßt bleiben. Sich nicht aus der Fassung bringen lassen. Ausgeglichen sein. Ausgleichend wirken. Gelassen sein: gehen lassend. Es kommt, es geht – was auch immer. Stoische Heiterkeit vielleicht. 

Als ich Kind war, las ich mich durch die Kinderbiblothek: pro Tag ein Buch von etwa 200 Seiten. Ich las Märchen, Science Fiction und Indianergeschichten. Mich berührte die Geschichte des Indianerjungen „Harka“, beschrieben in einer Romanreihe von Liselotte Welskopf-Henrich. Mich faszinierte die Einübung der Selbstbeherrschung in dieser Kultur. Die Wenigworte. 

Ich wollte auch nur noch Wesentliches sagen und ansonsten schweigen. Ich wollte diese stoische Ruhe erlangen. Über diese Gelassenheit verfügen.

Nebenbei übte ich im Wald wie ein Indianer zu gehen: vorsichtig die Fußspitzen aufsetzen und den Fuß dann nach hinten abrollen. Doch lautlos war das bei mir nie. Ich übte zu schauen wie ein Indianer: mit halbgeschlossenen Augen. Nach ein paar Tagen ließ ich diese Übung sein. 

Doch mein Streben nach bedachten Wenigworten und unaufgeregtem Sein blieben.

Was bringt mich aus der Fassung? Was brachte mich aus der Fassung?

Ich habe Situationen erlebt, in denen mir Absurdes unterstellt und ich zu Unrecht beschuldigt wurde. Solche Situationen machten mich sprachlos. Da verlor ich meine innere Fassung, meine Gefaßtheit. Nein, ich schrie dann nicht. Ich schwieg und erstarrte. 

Heute finde ich meine Worte schneller wieder, kann in Frage stellen, statt nur zu verneinen. Kann Absurdität vor Augen führen, lasse mich nicht einsperren ins Kästchen des Vermutungswissens anderer. Meine Fassung bleibt bei mir. 

Was bringt Sie/Dich aus der Fassung?

 

 

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