Giselheid Schulz-Ëberlin, Autorin, Eigen-Sinn-Coach, Lebensbegleitung, Herz, P wie Poesie

P wie Poesie

Poesiealbum. Poesie des Alltags. Poesie des Daseins. Ich mag die Poesie des Alltäglichen. 

Heute morgen schaute ich den Wolken zu: Eine weiße Wolkenspinne schwamm auf hellem Blau heran und löste sich auf. Dann flog ein Mann mit Karnevalsmaske vorbei. Und irgendwann lief ein grauer Elefant über Wolkenweiß und verlor sich im Irgendwo. 

Heute Nachmittag spazierte ich durch Göttingen und entdeckte dieses pink-gelbe Herz auf dem Weg. Lächelnd blieb ich stehen und hielt es fest im Bild.

Ich mag es, durch die Stadt zu gehen, über den Stadtwall und dann durch den botanischen Garten. Ich mag es, auf Strukturen und kleine Wegranddinge zu achten, sie bewusst und zärtlich staunend anzusehen. Zu entdecken:

Die Poesie des Liegengelassenen, Zerfallenen, Verblühten, Verlebten. 

Vor nicht ganz einem Jahr begann ich, Dinge, die mir am Tag begegnen, auf einen kleinen goldenen Rahmen zu legen und ein Foto davon zu machen. Jeden Tag neu. Ich nenne es: „Den Tag einrahmen“. Fundstücke vom Wegrand, Obst, Gemüse oder zur Feier des Tages auch mal ein Törtchen, bilde ich so ab. Notizzettel, die gerade noch auf dem Tisch stehende Espressotasse oder eine frisch gekaufte Blume aus dem Lieblingsblumenladen. Oder Gegenstände aus der Sammlung meines Mannes, die als Symbol für den Tag taugen.

Am Morgen weiss ich noch nicht, was ich in den goldenen Rahmen legen werde. Ich lasse mich überraschen vom Tag. Auch dieses „Den-Tag-Einrahmen“ ist für mich Poesie. 

Die digitale Welt ist schnell und eilig. Poesie des Moments, Poesie in Echtzeit. Auch das hat seinen Reiz. 

Ich weiss, dass einige Menschen täglich meine Texte lesen, darauf warten, sich daran freuen und dadurch erfrischt sind in ihrem Tag. Das ermutigt mich, am Tagtäglichschreiben festzuhalten. 

Früher schrieb ich wenig, feilte lange an den Texten, überarbeitete nach Jahren wieder. Mit manchen Texten mache ich das bis heute.

War es Hermann Hesse, der sagte, ein Dichter könne im Laufe seines Lebens nicht mehr als zehn gute Gedichte schreiben, die bleiben?

Was wird von unseren Texten bleiben? Wer weiss? Das werden die entscheiden, die nach uns kommen. 

Was bleibt mir vom heutigen Tag? Ein Text und eine Handvoll poetischer Momente. 

Was bleibt Ihnen/Dir vom heutigen Tag und seiner, vielleicht leisen, Poesie? 

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