Der Mensch als Zahnrad im Getriebe der Arbeitswelt

Maschine Mensch?

Es war einmal ein Mensch, der wollte eine bessere Maschine sein …

In seiner Maschinen-Welt des Immer-Schneller, Immer-Mehr und Immer-Größer waren Tiere längst zu Fleischproduktionsmaschinen und Pflanzen zu Nahrungs- und Rohstoffproduktionsmaschinen geworden. Er wusste, alles muss sich rechnen. So maß und rechnete der Mensch und ließ sich selbst vermessen und berechnen, schrieb Zahlen in Tabellen und Statistiken. Er ordnete sich ein in BMI und Gehaltstabellen. Er stellte ein und stellte sich ein als Rädchen im großen Getriebe. Er speiste Informationen in Maschinen und in Menschenköpfe. Er schrieb Programme und programmierte. Er füllte Daten ein, nannte sie Wissen. Er sprach von Prozessen, von Funktion und vom Funktionieren-Müssen. Er übte sich in funktionierender Kommunikation, führte eine funktionierende Beziehung und achtete auf reibungslose Abläufe in seinem Team. Optimistisch selbstoptimierte sich der Mensch. 24/7 lautete seine Devise und Zeit ist Geld. Er liebte die Superlative in seiner Rede. In seinen Träumen war er der Superheld mit Superkraft und supertaff mit Supertechnik. Es durfte immer noch ein bisschen mehr sein. Mehr Leistung, mehr Geld, mehr Erfolg. Es lief, er lief, wie geschmiert. Jährlich ließ er durchchecken, was ihm lieb und teuer. Er ließ kontrollieren, reparieren, operieren, transplantieren, stellte Verbrennungsmotor und Blutdruck ein, überprüfte Benzinstand und Blutzucker. Künstliche Hüftgelenke und künstliche Intelligenz standen ihm zur Verfügung. Er kannte Funktionsdiagnostik und Funktionstraining. Der Motor muss weiterlaufen. Die Maschine muss weiterlaufen. Die Produktion muss weiterlaufen. Die Wirtschaft muss weiterlaufen. … Muss weiterlaufen … muss weiterlaufen. …

Es war einmal ein Mensch, der wollte eine bessere Maschine sein …

Eines Tages blieb ihm nichts übrig, als sich zum alten Eisen zu rechnen, zu denen, wo der Lack längst ab ist. 

Es war einmal ein Mensch, der wollte eine bessere Maschine sein …

Ich möchte weder Maschinenmenschen noch vermenschlichte Maschinen. Ich möchte von Menschen nicht in Maschinenbegriffen sprechen oder denken. Ich halte nichts vom Wettstreit des Menschen mit den Maschinen – um Arbeitsplätze oder was auch immer. 

Denken ist mehr als Rechenprozesse. Erkennen mehr als Statistik. Weisheit mehr als Abspeichern und Ausspucken von Zahlen und Daten und Worten. Menschliche Zeit mehr als Geld, immer Menschen-Lebenszeit. Leben mehr als Funktionieren. Menschliches Tun immer atmendes Tun. Menschliche Aufmerksamkeit immer zugewandte Aufmerksamkeit. 

Ich wünsche mir und uns eine menschliche Gesellschaft. 

Lassen wir Maschinen machen, was sie besser können als wir Menschen und nutzen und schätzen wir sie indem. 

Und lasst uns unser Menschsein bewahren, fördern und genießen. Lasst uns lachen, singen, musizieren, forschen, formen und erschaffen, lesen, malen und schreiben und füreinander da sein.

Lasst uns Menschen sein. 

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Giselheid Schulz-Ëberlin

Autorin & Eigen-Sinn-Coach

Lebenswegbegleitung

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