Giselheid Schulz Eberlin Redezeit am Wagen von Querdenken am 29.8.2020 Berlin

Demonstration für Frieden und Freiheit, Berlin 29.8.2020

Frieden und Freiheit, Wahrheit und Einheit,

es liegt alles in mir, es liegt alles in Dir:

Licht und Schatten, Liebe und Angst.

Und Du kannst wie viele anderen deine Ängste durchwandern.

Danke für Deine Erfahrung! Danke für Deine Perspektive! Erklär mir Deine Motive!

Erzähl mir von Irrtum und Entsagung, von neuem Vertrauen und Liebe.

Und lass uns heute verbindendes finden!

Frieden und Freiheit, Wahrheit und Einheit,

Freundlichkeit und Herzlichkeit.

Frieden beginnt in mir. Frieden beginnt in Dir.

Frieden beginnt durch uns im Miteinander.

„Gegeneinander!“ schreit allein die Propaganda, sie ruft zu Kampf und Krieg und Spaltung.

Doch ich bleib bei meiner Haltung, einer Haltung ohne Spaltung:

Demokratie beginnt in mir. Demokratie beginnt in Dir. Jeder Mensch ist willkommen,

der den Diskurs wohlgesonnen begonnen.

Vielfalt im Einklang,

von sanft bis schräg bis dissonant, von ungewohnt bis wohlbekannt:

Stimm mit ein, schließ Dich an! Am besten jetzt, nicht irgendwann.

Mut wächst von innen, Lebensfreude ganz tief drinnen, Hoffnung auch und Zuversicht, und so zeige ich Gesicht hier im Außen bei Dir draußen:

Sieh mich an und schließ Dich an!

 

Wohlbehalten bin ich wieder in Göttingen angekommen. Es war gut da zu sein. Mit meiner 83-jährigen Mutter, die schon 1989 in Magdeburg auf die Straße ging, und meinem Bruder traf ich mich am Hauptbahnhof und dann gingen wir gemeinsam los. Es waren wesentlich mehr Menschen unterwegs als am 1.8., gefühlt die dreifache Menge schon ab Bahnhofsplatz, und eine verzehnfachte oder sogar verzwanzigfachte Polizeipräsenz im Vergleich zu vor 4 Wochen begegnete uns. Abgesperrte Fußwege und Straßen. Wir wurden an der Spree entlang geleitet, der direkte Weg über den Tiergarten war nicht möglich. An der Straße unter den Linden fanden sich immer mehr Menschen ein. Die Menge setzte sich deshalb langsam in Bewegung Richtung Friedrichstraße. Wir nahmen uns für eine kurze Pause raus aus dem Demonstrantenstrom und setzten uns beim Starbucks hin. Mir fiel eine schwarz-weiß-schwarze Fahne mit Adler auf, wohl die alte preußische Fahne. Zwei an den Armen tätowierte Männer Mitte Dreißig zogen mit ihr vorbei. Kurze Zeit später gingen sie in Gegenrichtung auf dem Fußweg entlang, als eindeutige Dreiergruppe: ergänzt durch einen Mann mit Mikrofon hinter ihnen. Bringt gewisse Presse ihre eigenen Demonstranten mit?

Am Bahnhof Friedrichstraße ging es nicht weiter. Ich sah auf dem Kanal von Samuel Eckert, einem Mitarbeiter im Team von Michael Ballweg, die Mitteilung, dass die Polizei die Demo blockiere und wichtige Plätze der Stadt besetzt hätte (das Szenario, das sie im Falle eines Demonstrationsverbots angekündigt hatten). Natürlich staut sich eine Menschenmenge, wenn immer mehr Leute dazukommen und sie am Weitergehen gehindert werden durch eine Straßenblockade. Da ist dann nix mehr mit Anderthalbmeterabstand von Gruppe zu Gruppe möglich. Wir drei beschlossen, im Bahnhof Friedrichstraße erst einmal eine Toilette aufzusuchen. Im Bahnhofsbereich erinnerten uns die dort zahlreich positionierten Polizisten freundlich aber bestimmt an den Mund-Nasen-Schutz. Nach dem Toilettengang entschieden wir uns dann für einen Ausgang weg von der Demonstration um zur Straße des 17. Juni zu gelangen. Eine kleine Gegendemonstration, von vielleicht 50 Leuten, stand unweit vom Bahnhof Friedrichstraße, dahinter ein beträchtliches  Polizeiwagenaufgebot. Zur Straße des 17. Juni kamen wir gut durch, am Park wieder großes Polizeiaufgebot; der Weg zum Kanzleramt und Reichstag war abgesperrt. Auf der Straße des 17. Juni füllte es sich allmählich. Die Menschen strömten und strömten und strömten bunt und friedlich und fröhlich. Wie schon am 1.8. sah ich viele Regenbogenfahnen, Friedenstaubenfahnen, Fahnen verschiedener Nationalitäten, auch etliche Israelfahnen; jedoch auch einige schwarz-weiß-rote Kaiserreichsfahnen. Am 1.8. hatte ich nur eine einzige dieser Art gesehen. Familien mit Kindern, junge Erwachsene und doch vor allem Menschen in der Altersklasse zwischen 35 und 80 waren hier auf den Beinen. Ich verteilte im Weitergehen meine Texte und bekam sogar an einem Wagen von Querdenken eine kurze Redezeit am Mikrofon. Und auf meine Worte gute Resonanz. Wir gingen noch ein Stück weiter Richtung Siegessäule und suchten uns bald einen Schattenplatz unter den Bäumen. Je näher der Veranstaltungsbeginn rückte, um so nachdrücklicher wurde immer wieder aufgerufen, sich über den gesamten Tiergarten zu verteilen um die vorgegeben Abstände entsprechend der Berliner Corona-Verordnung einzuhalten. Über kleinere Zugangswege kamen derweil unentwegt Menschen nach. Die Demonstranten vom Aufzug in der Stadt trafen ein. Von unserem Platz aus sahen wir einen nicht abreißenden Strom von Menschen auf dem kleinen Weg parallel zur Straße des 17. Juni. Auf einmal zog dann auch eine Gruppe berittener Polizisten links an uns vorbei. Berittene Polizisten hatte ich bislang noch nie gesehen.

Wir kamen  ins Gespräch mit dem Ehepaar neben uns und blieben die ersten Reden lang da. Kurz nach 17 Uhr brachen wir zum gemächlichen Rückweg auf. Beeindruckend die bunte Vielfalt der Menschen und ihre friedliche Entschlossenheit, – wie so viele im Gespräch sagten, eben gerade für ihre Kinder und Enkel auf die Straße zu gehen, für eine neue Normalität, die besser ist, als die alte es war.

 

Herzliche Grüße von Giselheid Schulz-Ëberlin

Göttingen, den 1. September 2020

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